Freitag, 19. August 2016

Fasten und Workcamp in Büchel am Atomwaffenstandort / Fast and Workcamp at the nuclear deploymentsite Büchel

Our stay in Berlin ended with our participation at the Hiroshima comemoration of the Peace Bell Society Berlin.


Unser Aufenthalt in Berlin endete mit der Teilnahme am Hiroshima-Gedenken der Friedensglockengesellschaft im Volkspark Friedrichshain.

We drove to Büchel for the end of the fasting action. There we built a Hiroshima - Nagasaki exposition.
Zum Abschluss des Fastens fuhren wir nach Büchel und beteiligten uns an den dortigen Aktionen. Wir bauten eine Hiroshma-Nagaski-Ausstellung auf.

Then we surrounded the base. And in Cochem we collected signatures.


Wir umrundeten den Fliegerhorst, sammelten in Cochem Unterschriften und nahmen am Nagasaki-Gedenken zum Abschluss der Aktionspräsenz „20 Bomben – 20 Wochen“ teil.


In Büchel waren wir begehrte Interviewpartner für die Journalisten.
The media were very interrested in our workcamp.

video


Das Fasten 
Gedanken von Mathias und Beate Engelke:

Das Ende der Fastenaktion war zugleich das Ende der 20-Wochen Präsenz in Büchel im Rahemn der „Büchel ist Überall“-Kampagne. Die abschließende Gedenkfeier an die Zerstörung Nagasakis vor 71 Jahren war eine gelungene Aktion. Viele Stimmen kamen zu Wort. Es wurde deutlich, dass die Zeit der allgemeinen Ignoranz und der landesweiten Erduldung dieses Unrechts vorbei ist.

Soldaten müssen sich damit auseinandersetzen, dass sie – wenn sich an der nuklearen Teilhabe von Seiten der Soldaten aus nichts ändert – diese mehr und mehr damit in Verbindung gebracht werden, dass sie die angsteinjagenden Bewacher der Atomwaffe sind. Ob das der Reputation der Soldaten und der Bundeswehr im Lande nützt, wage ich zu bezweifeln.

Wir wurden unterstützt durch Freunde in nah und fern, die auf dem Camp selbst mitlebten oder bei sich zu Hause Aktionen machten. Eine Skype-Konferenz führte vor Augen, dass wir in einer internationalen Kampagne für eine atomwaffenfreie Welt stehen und hörten dadurch Berichte von Fastenden aus London und Paris.

Wieder gab es eine Mischung von Aktionen und wunderbare Zeit für ausgedehnte Gespräche, da ja nichts eingekauft, zubereitet, gedeckt und wieder abgeschwaschen werden musste. Vor einem Jahr entstand auf diese Weise die Idee der 20-Wochen-Aktion. Solange die Atombomben der Vereinigten Staaten von Amerika noch in Deutschland lagern und deutsche Piloten deren Abwurf üben, wird die Fastenkampange fortgeführt. Wenn es im nächsten Jahr wieder nötig werden sollte, dann ab dem 29. Juli. Die diesjährige Fastenkampagne hat uns dazu viel Mut gemacht.
 
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Blockade-Aktion für den Abzug von Atomwaffen aus Büchel/Südeifel
Erlebnisbericht 11.+12. Mai 2016 von Ernst von der Recke, Schöffengrund-Laufdorf

Der Wetzlarer Friedenstreff hatte zugesagt, sich an den Aktionen gegen Atombomben in Büchel zu beteiligen. Die Kampagne: Büchel ist überall - atomwaffenfrei.jetzt!, bestehend aus 50 Gruppen und Organisationen, hat zu insgesamt 20 Aktionswochen am Fliegerhorst eingeladen, angefangen vom 26. März bis zu den Gedenktagen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki 6./9. August. (www.atomwaffenfrei.de) Wir haben uns für die Zeit zwischen Sonntag, dem 8. und  Donnerstag, dem 12.5. gemeldet. Eine Person hat es einrichten können, die ganze Zeit vor Ort zu sein.

Ich kann erst am Mittwoch aufbrechen, nachdem ich Gäste aus Nigeria verabschiedet habe. Ein Pastor und ein muslimischer Hochschullehrer hatten über eine christlich-muslimische Friedensinitiative (CAMPI) berichtet, die angesichts des Terrors von Boko Haram gewaltfrei ihre Versöhnungsarbeit ausübt. Ihr Motto: Do something for peace. 

Auf der Reise besuche ich noch eine befreundetes Ehepaar. Er wollte eigentlich mitfahren, hat sich aber kurzfristig entschieden, wegen einer akuten Krankheit seiner Frau zu bleiben. Sie verabschiedet mich mit dem Wunsch, dass im Herbst alle Atombomben aus Büchel zum Hafen nach Hamburg gebracht und von dort in die USA verschifft werden mögen. Auf meiner Fahrt durch den Westerwald in die Eifel begleiten mich die Eindrücke aus beiden Begegnungen.

Am Treffpunkt finde ich zwei Freunde aus Wetzlar an, eine Frau aus Emden und eine aus Hamburg. Letztere begleitet die Gruppen und koordiniert die Aktionen während der 20 Wochen. Es herrscht eine ruhige Stimmung. Ich lasse mich informieren und werde in die Planungen eingeweiht: Gegen 16 Uhr soll es eine Mahnwache geben. Da verlässt der Feierabendverkehr das Camp. Für den nächsten Morgen besteht die Idee einer Blockade des Einfahrttors am Haupteingang. Ich erkläre mich bereit, mit zu blockieren. Eine Alternative wäre gewesen, als Unterstützer teilzunehmen. Um die Mittagszeit ist die Beteiligung an einem Infostand einer lokalen Friedensgruppe in Cochem an der Mosel vorgesehen und zum Abschluss noch mal eine Mahnwache.

Zur Mahnwache stellen wir uns mit Pace-Fahne und Transparenten auf den Kreisel: BÜCHEL IST ÜBERALL! atomwaffenfrei. jetzt. Hunderte Autos kommen aus dem Gelände auf uns zu, fahren langsam in den Kreisverkehr und verteilen sich dann in alle Himmelsrichtungen. Die Insassen sind in Zivil oder in Uniform. Die Vielfalt der Nummernschilder lassen auf ein großes Einzugsgebiet schließen. Auf einigen Autos steht: „Wir. Dienen. Deutschland.“. Viele junge Menschen steuern die Autos, Männer wie Frauen - mehr oder weniger erschöpfte Gesichter. Und während das Motorengeräusch eher ruhig an uns vorbeizieht, verursachen die ständig startenden Tornados einen erschreckenden Lärm. Ich sehe sie erst, wenn sie am Himmel ihre Kurven drehen.

Wie sehen uns die Vorbeifahrenden? Was nehmen sie von uns wahr und wie gehen sie mit dem Wahrgenommenen um? Wie passt unsere Forderung zu ihrem politischen Auftrag und zu dem, dass sie eine Ausbildung bekommen und einen sicheren Arbeitsplatz haben? Können wir eine Brücke bauen zwischen ihrem Anspruch, „unsere Freiheit“ und „unseren Wohlstand“ zu verteidigen und den Sorgen so vieler in der Bevölkerung vor einem möglichen Einsatz oder einem Unfall mit Atomwaffen? Ich fühle mich weder „frei“ noch „wohl“ und die Sicherheitsdoktrin der NATO und anderer Atomwaffen-besitzender Staaten erfüllt mich mit Entsetzen und Abscheu. Zu lange schon sehe ich die „eine Welt“ gespalten und Schaden nehmen unter der Angst vor „den Anderen“. Ich möchte diese Spaltung verdeutlichen und überwinden helfen. Ich möchte sie nicht noch vertiefen.

Am Abend treffen wir uns in unserem Quartier zur Blockadebesprechung. Wir sind zu fünft. Wenn wir uns vor die Einfahrt setzen, werden wir dann für die Autofahrer, die von Westen her in den  
Kreisverkehr einfahren, genügend sichtbar sein? Welche Transparente wollen wir halten? Wie müssen wir stehen, damit es für die Presse ein deutliches Bild gibt? Wie verhalten wir uns, wenn Polizei kommt und wir von der Fahrbahn getragen werden sollten? Das Gespräch geht phasenweise durcheinander. Die Stimmung ist gereizt.  Doch am Ende steht ein klarer Plan. Bis zum Aufstehen morgen früh um 5 Uhr ist nicht mehr viel Zeit.

Ich schlafe schlecht in meinem Schlafsack, bin vor der Zeit wach und begrüße den neuen Tag beim ersten Morgenrot. Als wir losfahren, erscheint gerade ein erster Feuerfunke der Sonne über dem Horizont. Unsere Fahrerin hält an und gemeinsam beobachten wir diesen besonderen Moment eines Sonnenaufganges - voller Kraft und Bewegung.

Am Fliegerhorst stellen wir uns zunächst neben dem Tor zu einer Mahnwache auf. „Alle Atomwaffen sind illegal - auch in Büchel“ steht auf unserem Transparent. Ein weiteres Schild zeigt eine durchgestrichene Bombe. Auf ihr ist ein Totenkopf gemalt. Wir warten, bis der Journalist der Lokalpresse eintrifft. Als er kommt, ziehe ich wie besprochen den linken Flügel des Sperrzauns anderthalb Meter in die Fahrbahn, damit die Autofahrer zusätzlich erkennen, dass die Einfahrt nicht passierbar ist. Wir setzen uns in die Einfahrt. Eine andere Person gibt den Fahrern mit der Hand ein Zeichen, langsam zu fahren. Wir blockieren die etwa vier Meter breite Einfahrtspur, aber der Streifen zwischen Sperrzaun und Kreisverkehr, wo wir sitzen, ist nur wenig breiter als ein Meter. Die Autos fahren dicht an uns vorbei. Zum Teil versuchen sie, durch die Ausfahrt einzufahren. Andere fahren einmal um den Kreisel und werden wahrscheinlich ein anderes Tor anfahren. Eine Soldatin kommt vom Camp und fordert uns auf, die Fahrbahn zu verlassen. Wir lehnen ab. Andere Soldaten kommen und schließen hinter uns die Einfahrt und auch das Tor zur Ausfahrt. Für einige Minuten sind beide Tore gänzlich gesperrt. Dann wird die Ausfahrt  wieder geöffnet und nachdem ein Fahrzeug das Militärgelände verlassen hat, benutzen die ankommenden PKWs dies zur Einfahrt. Nur Busse und Lastwagen müssen weiter fahren. Nach etwa einer viertel Stunde kommt ein Streifenwagen. Zwei Polizisten steigen aus. Sie sprechen mit den Soldaten. Uns lassen sie unbehelligt. Die Autoscheinwerfer strahlen mir ins Gesicht, sodass ich bald meine Augen schließe. Das Geräusch der Motoren zieht monoton an mir vorbei. Der Gestank der Abgase ist unangenehm. Nach einer Stunde lässt der Verkehr deutlich nach. Um 7:30 Uhr beenden wir die Blockade. Ich öffne beide Torflügel. Es geht etwas schwierig. Die Soldaten bedanken sich freundlich lachend.

Wir verweilen noch einige Zeit auf der Friedenswiese, tauschen erste Eindrücke aus und erfahren einiges über Gruppen, die vor uns Aktionen durchgeführt und Zeichen gesetzt haben. Der Journalist gibt uns Informationen über das, was im Fliegerhorst an Ausbildung und Training passiert, und über Einstellungen von lokalen Politikern zur Bundeswehr und der Lagerung von Atombomben.

Zurück im Quartier frühstücken wir und machen eine gemeinsame Auswertung. Trotz der geringen Zahl haben wir nicht nur demonstriert. Wir haben gegen das Unrecht eine Aktion des zivilen Ungehorsams setzen können, auch wenn sie mehr symbolisch blieb. Das gibt uns ein Stück innerer Befriedigung.

Bevor eine Gruppe zum Infostand in Cochem mit einer weiteren Person aus der Region aufbricht, packen wir unsere Sachen ein und räumen auf. Mit einer anderen Person entscheide ich mich, die 10 Kilometer nach Cochem durch ein enges Tal hinunter zur Mosel zu wandern. Häufig gibt es nur ein schmales Pättchen entlang des Baches. Dessen Wasser ist glasklar. Ständig hören wir Rauschen und Plätschern, dazu die Vogelstimmen von Singdrossel, Rotkehlchen und Mönchsgrasmücke - alles umgeben von dem saftig-frischen Grün der Blätter über dem dunklen Felsgestein. Ab und zu erinnert uns ein überfliegender Tornado daran, wo wir sind. Wie können wir diesen Zwiespalt zwischen paradiesischer Schönheit und Vernichtungsdrohung kommunizieren?

Am Infostand in Cochem ist wenig los. Ein Hotelbesitzer hatte von seinem Eindruck über ausländische Gäste berichtet - Piloten, die in Büchel sich an den Übungsflügen beteiligen. Offensichtlich genießen sie die Schönheit dieser Landschaft ähnlich wie wir. Zurück am Fliegerhorst halten wir noch die nachmittägliche Mahnwache. Bevor wir zur Heimreise antreten, kommt ein nächster Demonstrant. Er ist heute von Bonn mit dem Fahrrad angeradelt.

Das Erlebte beschäftigt uns natürlich weiter. Werden wir es erleben, dass die Sicherheitsdoktrin der NATO überwunden und die Atomwaffen abgeschafft werden? Der amerikanische Präsident Obama wollte sich für ihre Abschaffung einsetzen, doch veranlasst hat er ihre Moderisierung. Bei einem pfingstlichen Spaziergang zuhause in Hessen stellt ein Freund eine Parallele her zwischen dem Kampf zur Abschaffung der Sklaverei und dem gegenwärtigen Kampf zur Abschaffung der Atomwaffen. Die  Sklavenhaltergesellschaften wie die Atomgesellschaften erliegen der Versuchung der schnellen Lösung. Durch die Verneinung von Grundrechten spalten sie. Für den vermeindlichen Vorteil zahlen sie einen hohen Preis. Sie stehen in der Kritik und leben in ständiger Defensive. Da hilft es auch nicht, dass die Feindseligkeit durch ein besonderes Sendungsbewußtsein überhöht wird. Die mit der Polarisierung einhergehenden Gefahren sind real und die Kosten für Modernisierung und Aufrechterhaltung des Systems steigen ins Unermessliche. Der Ausstieg aus der Atombewaffnung ist schwer. Er erfordert Wertmaßstäbe, die sich am Gemeinwohl orientieren. Und darin sind nicht nur Politiker und Rüstungslobbyisten  gefordert sondern vorrangig alle “kleinen Leute”. Der Wunsch der von Krankheit geschwächten Freundin, dass die Atomwaffen aus Büchel abgezogen und in den USA verschrottet werden, behält deswegen seine Berechtigung und das Zeugnis einer gewaltfreien Haltung von Christen und Muslimen in Nigeria angesichts von Terrormilizen seine Aktualität (www.michael-sattler-friedenspreis.de). Ich hoffe, dass sich dem Protest gegen die Atomwaffen in Büchel noch viele Zivilisten anschließen werden. Ebenso hoffe ich, dass die Soldaten in Büchel sich besinnen und ihre Beteiligung an dieser Form permanenter Vernichtungsdrohung verweigern
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Auf der Heimfahrt legte eine kleine Gruppe noch einen Stopp in der Landeshauptstadt Mainz ein über nachteten bei Beate Körsgen und besuchten den Ginkgo aus Hiroshima, der dort vor dem Rathaus wächst. Dieser Überlebensbaum ist ein Hoffnungszeichen und Ansporn für den Einsatz für eine Atomwaffenfreie Welt.

On the way home some of the workcamp visited the regionals capital Mainz, where there is a Ginkgo from seeds of a tree that survided the Hiroshima bombing. For us a sign of hope and strengthing our comittement to act for a nuclear freee world.